Vom Hausbauen würden Sie abraten?

Natürlich. Nur weil es billiger ist, an die Peripherie zu ziehen, wo man Schnee schaufeln und Auto fahren muss, um ein Packerl Biskotten zu kaufen – das kann nicht gutgehen. Auch den Kindern gefällt das höchstens zehn Jahre lang. Aber den Traum vom Grünen kann man den Leuten leider schwer ausreden.


Welche gesellschaftlichen Veränderungen können Sie able- sen an Ihren Fällen?

In den Siebzigerjahren waren jene Themen, die heute so schwierig sind – Arbeit, Pension, Unterhalt –, kein Pro- blem. Jede junge Frau hat sofort einen Job gefunden, wenn sie wollte. Wenn eine, die ein paar Jahre zu Hause war, in ihrer alten Firma angerufen hat, ist der Chef vor Freude an die Decke gehupft, wenn sie gesagt hat, sie will wieder arbeiten. Deswegen haben Frauen sich eher getraut, sich scheiden zu lassen, wenn ihnen irgendwas an ihrem Mann nicht gepasst hat.


Das ist heute anders?

Sehr. Da ist die Angst: Wie geht es beruflich weiter? Wie kann ich mir die Wohnung weiter leisten? Wobei ich bei den Dreißigjährigen heute ein neues Muster beobachte: Da ist jetzt die Erbengeneration dran. Die sind gut aus- gebildet, haben keine richtigen Jobs, leben aber trotz- dem relativ sorglos, weil das Haus, in dem sie wohnen, den Eltern gehört oder die Schwiegereltern die Eigen-


Ich bin aber unverheiratet. Ist das ein Fehler?

Schon. Sie sind berufstätig, haben Kinder, ein Radler fährt Sie hier vor der Tür auf dem Gehsteig nieder, und Sie und Ihr Einkommen sind weg – da wird Ihr Partner Kinderbetreuung brauchen und kriegt nicht einmal eine Hinterbliebenenpension.


Ich wusste gar nicht, dass es die gibt.

Wenn beide gleich viel verdienen, sind das circa 40 Pro- zent des Pensionsanspruchs des anderen.


Und was das Erben betrifft?

Bei Lebensgefährten erben die Kinder alles. Das ist zwar nett für die Kinder, aber für den Partner konkret ziem- lich kompliziert, weil er über das Vermögen nicht verfü- gen kann. Für ihn wäre es leichter, wenn die Wohnung, in der er lebt, dann ihm gehört.


Das könnte man auch mit einem Testament regeln.

Ja. Aber wer nicht heiratet, macht meistens auch kein Testament.


Stimmt. Was noch?

Verliebt bleiben, Kinder kriegen, aber nie aufhören, selbst zu arbeiten und Geld zu verdienen. Samt allem Stress, der damit verbunden ist. Wenn das dem anderen nicht passt, und er verdünnisiert sich deswegen, ist es besser, das passiert früher als später.

Republik

DATUM  ·  9/15