Vermietern ist es ja auch ziemlich egal, ob sie einander mögen.


Liebe und Ehe haben nichts miteinander zu tun?

Ich sage immer: Es ist leichter, mit jemandem eine Ehe zu führen, der einem sympathisch ist. Ich würde nicht sagen: Es ist völlig uninteressant, wen man heiratet. Aber im Gesetz steht über Liebe nichts drin.

Dann könnte man auf Liebe überhaupt verzichten und Bezie- hungen am besten arrangieren lassen. Oder das erledigt gleich ein Computerprogramm.

Jein. Ich denke, wenn man mit jemandem Tisch und Bett teilt, sollte man sich den schon vorher ein bisschen an- schauen. Man hat eine räumliche Nähe, die man nur aushält, wenn man den anderen leiden kann. Denke ich mir halt. Man muss sich riechen können. Wenn einem jedes Mal graust, wenn man dem anderen bei der Bade- zimmerbenützung zuschaut, wird man sich wahrschein- lich schwertun. Und da rede ich jetzt noch gar nicht vom Sex.


Apropos Sex – der Vollzug der Ehe, also die Verpflichtung zum Sex, steht sehr wohl im Gesetz.

Ja.


Also hat Ehe nichts mit Liebe zu tun, aber mit Sex schon?

Man verpflichtet sich in der Ehe zur umfassenden Le- bensgemeinschaft, das umfasst auch die sexuelle Ge-

übersitzt, umrahmt von gefährlich wankenden Papier- stapeln, versteht man gleich, warum: Sie ist scharf, sie ist direkt. Sie weiß genau, wie jeder ihrer Sätze wirkt. Auch öffentliche Auftritte scheut sie nicht. In der SPÖ wird ihre Stimme gehört, wenn es um Reformen im Familien- recht geht – bei der gemeinsamen Obsorge gehörte sie zu den entschiedensten Bremserinnen. Mit Höflichkeits- floskeln darf man bei ihr nicht rechnen.


Wir wollten über Liebe reden.

Ich nicht.


Warum nicht?

Weil ich davon nichts verstehe. Es ist nicht mein Metier. Ich habe zu wenig darüber nachgedacht, deswegen kann ich nichts Sinnvolles beitragen.


Aber über die materiellen und rechtlichen Grundlagen der Liebe können wir reden. Die Form, in der sich Liebe materia- lisiert, die Ehe.

Ich lehne es ab, es so zu sehen. Die Ehe ist ein Vertrag. Deswegen steht sie im Allgemeinen Bürgerlichen Ge- setzbuch. Wäre sie kein Vertrag, würde sie dort nicht drinstehen. Große Gefühle sind nicht gesetzlich gere- gelt. Bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Mietern und

H

elene Klaar ist eine der bekanntesten und ge- fürchtetsten Scheidungsanwältinnen Öster- reichs. Wenn man ihr in ihrer Kanzlei gegen-

Republik

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