BMW 740LE XDRIVE

Schwimmer im Rahm

Wie man die Tugenden des teilelektrisierten Siebener wahrnimmt, kommt drauf an, wo man sitzt: links vorne oder rechts hinten.

Von Susanne Hofbauer

Der Siebener ist an sich ein Auto, das eine gelassene Haltung zu seiner Rolle als Fortbewegungsmittel pflegt. Es wirkt, als wäre die Welt in seinem Inneren eine andere als die, die draußen in Stille und mirakulöser Geschmeidigkeit an den Fenstern vorbeizieht, ohne auch nur die geringsten physischen Unbilden an die Menschen drinnen weiterzureichen. Einzig, was der Fahrer spüren soll, spürt er auch. Fahrrelevante Empfindungen zum Beispiel, die als konzentrierte, glasklare und gleichzeitig mühelose Wahrnehmung über die Hände in das Be- wusstsein einströmen: Alles ist von Erhabenheit und Annehmlichkeit getragen.

Diese Wesensart tritt im 740e noch einmal deutlicher hervor, was in der Hauptsache an der Geräuschlosigkeit der rein elektrischen Momente liegt, umso mehr, wenn es sich wie hier um die Langversion des Siebener handelt: Eine Limousine mit fünfeinviertel Laufmeter, die sich völlig lautlos in Bewe- gung setzt – bei jedem Anfahren etwa muss der Fahrer den Rundumstehen- den erst Zeit lassen, diese Überraschung zu verarbeiten (er selbst muss das anfänglich auch), und er erfreut sich dann an der freundlichen Art, die ihm, dem Schwimmer im Rahm, begegnet.

Als der- oder diejenige am Steuer hat man bei einem Plug-In-Hybrid allerd- ings auch Momente, die im Umgang mit der staatstragenden Aura dieser prachtvollen Limousine eher überraschend sind: das Hantieren mit dem Kabel, das durch den unvermeidlichen Bodenkontakt immer schmutzig ist. Abstecken, aufrollen, in den Kofferraum legen, unschöne Handarbeit. Und weil der Deckel gerade offen steht: Der Kofferraum ist für einen so mächtigen Wagen er- staunlich klein, ein Fünftel weniger Volumen als beim normalen Siebener, weil die Hochvolt-Akkus hinter den Fondlehnen Platz finden mussten. Auch der Tank ist übrigens kleiner, 48 Liter Benzin fasst er in der Hybrid-Version statt der 78 Liter in den Siebenern mit konventionellem Antrieb.

Der Benzinmotor im 740e hat vier Zylinder und zwei Liter Hubraum. Das nimmt sich am Papier mickrig aus für eine Oberliga-Limousine, ist es aber nicht. Nach neuzeitlich angesagtem Muster wird der 258-PS-Verbrenner näm- lich durch einen in die Achtgang-Automatik integrierten Elektromotor unter- stützt, der die Systemleistung auf 326 PS pusht. Das entspricht leistungsmäßig dem 740i, der bei uns ebenfalls in Langversion angeboten wird, allerdings einen Sechszylinder unter der Haube trägt und für den damit 16 Prozent NoVA fällig werden. Beim 740er-Hybrid (beide haben übrigens Allrad) sind es null Prozent, mit 105.000 Euro kostet er 9.000 Euro weniger als der 740i.

Anders als beim Siebener mit kurzem Radstand, der eher ein Selbstfahrer- Auto ist, werden Besitzer und Besitzerin des 740Le eher wenig mitbekommen von schmutzigen Kabeln und verkleinertem Kofferraum, die Chauffeursache sind. Ihr Platz ist rechts hinten, sie werden arbeiten, telefonieren, sich die Zeit mit einem Film am bordeigenen Fond-Entertainmentsystem vertreiben oder ein belebendes Massageprogramm am luxuriösen Ledersitz einstellen, den Kopf an die weich gepolsterten Kopfstützen lehnen und in die Landschaft hinausschauen. Sie werden sich an der geschmeidig flotten Gangart des Wa- gens erfreuen, wenn Vierzylinder- und E-Motor gemeinsam für schubkräfti- gen Vortrieb sorgen (500 Nm und 5,3 sec auf 100 km/h) oder der E-Motor alleine antaucht, was beim Allrad 45 km weit geht, bei der möglichen Maxi- malgeschwindigkeit von 140 km/h aber deutlich kürzer. Saubere Sache, wer- den sie denken, selbst Stromfahren aber erst in Erwägung ziehen, wenn das mit dem kontaktfreien Induktionsladen serienmäßig geht.

Lautloses Schweben, wenn man die kleine schwarze Taste mit der Aufschrift e-Drive drückt. Dann fährt der 740e so lange nur mit Strom, wie es die Batteri- en erlauben. Im Idealfall sind das 45 Kilometer.

Solange es serienmäßig noch keine Option auf kon- taktloses Induktionsladen gibt, muss auch eine herr- schaftliche Großlimousine per Kabel geladen wer- den. Der Stutzen zum Benzintank sitzt an der übli- chen hinteren Position, der Strom-Tankdeckel jedoch links vorne. Ein unauffälliges Memo an den Chauf- feur, vor Abfahrt die Ladeverbindung zu lösen.

BMW 740LE XDRIVE IPERFORMANCE

Preis € 105.000,– (NoVA 0%)

Steuer jährlich € 1.369,44

Motor, Antrieb Vollhybrid-Antrieb: 4-Zyl-Biturbo-DI-Benziner (1998 ccm) + Synchron-Elektromotor, 8- Gang-Wandlerautomatik, Allrad.

Leistung/Drehmoment

Benziner: 190 kW (258 PS) bei 5000-6500 U/min, 400 Nm bei 1550-4400 U/min;

E-Motor: 83 kW (113 PS) bei 3170 U/min, 250 Nm bei 0-3170 U/min; Systemleistung: 240 kW (326 PS), 500 Nm.

Fahrleistungen 0-100 km in 5,3 sec, Vmax 250 km/h (rein elek- trisch 140 km/h),

Reichweite elektrisch lt. Werksan- gabe 45 km, MVEG-Verbrauch ge- samt 2,1 l/100 km, 49 g CO2/km.