LEXUS RX 450H PRESIDENT

Die obere Kante

Vom distinguierten Exoten wandelte sich der Lexus RX 450h zur extrovertierten Luxusyacht. Eine Metamorphose der gehobenen Art.

Photographie Alexander Tscheppen

Der Lexus RX450h hat eine eher überraschende Metamorphose hinter sich. Der ehemals distinguierte, japanisch zurückhaltende Luxus-Exot wurde zu einer Ansammlung spitzer Winkel, scharfer Kanten und auskeilender Geome- triespielereien. Alles gestapelt hinter einem Kühlergrill von der Größe eines Smart-Parkplatzes.

Die Wandlung des Lexus RX 450h

Auch innen holte Lexus zum Rundumschlag aus. Die etwas uninspirierten Plastiklandschaften flogen raus. Der gesamte Aufbau wurde neu durchdacht, das Design an die Formensprache der Marke angepasst und die gesamte Optik und Haptik durch eine gelungene Materialwahl um mehrere Stufen nach oben gehievt.Unter der Haube bleibt sich der Lexus RX450h zwar treu, greift aber tief in die Trickkiste, um das komplexe System weiter zu optimieren: Direkt- statt Saugrohreinspritzung, überarbeitetes Getriebe.

Komplex, aber jenseits der Wahrnehmung

Drei Elektromotoren und ein Sechszylinder-Benzinmotor teilen sich dank ei- ner ausgeklügelten Software die Arbeit. Der hintere Elektromotor trägt 69 PS bei, der vordere 167 PS, und der dritte begnügt sich damit, als Anlasser, Genera- tor für die Rekuperation und Puffer für die überschüssige Leistung des Benzi- ners (263 PS) zu dienen. Das Gesamtsystem schickt 313 PS gen Straße.Trotz sei- nes neuen, martialischen Auftritts bleibt die Stärke des Lexus RX 450h das ent- spannte Gleiten. Was auch die Wahl der Technik erklärt. Das e-CVT-Getriebe wird oft wegen der hohen Drehzahlen kritisiert, die es dem Motor abverlangt. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn beim Gleiten über die Autobahn wird die lange Übersetzung ausgepackt, was rund 2.300 Touren bedeutet bei Tempo 150.Ein Plug-in-System ist genauso wenig geplant wie eine weitere elek- trische Reichweite. Ein Zeichen dafür, dass Europa ein Markt ist, denn Lexus zwar gerne mitnimmt, auf den sich aber die Entwickler nicht konzentriert ha- ben. Denn beides würde in vielen Ländern auf dem alten Kontinent Steuervor- teile bedeuten, ist aber für den amerikanischen Markt uninteressant.

Wuchtig, souverän

Immerhin kann Lexus so im RX 450h auf die bewährte Nickel-Metallhydrid- Batterie setzen, die in mittlerweile 8,5-Millionen Hybridmodellen des Kon- zerns problemfrei funktioniert und muss keine leistungsstarken Experimente wagen (Samsungs Image-Desaster mit dem Galaxy Note lässt grüßen).In Eu- ropa freut sich die Kundschaft eher über Agilität. Der Lexus RX 450h mag kein Sportwagen sein, die 2,1 Tonnen Leergewicht bemerkt der Fahrer aber trotzdem nicht. Er schiebt kraftvoll und souverän an.Im Austausch gegen so viel Masse gibt es eine Dämmung, die nicht nur unangreifbarer Benchmark ist, sondern mittlerweile zu einem Markenzeichen von Lexus geworden ist. Außerdem natürlich, wie es in dieser Klasse üblich ist, feudale Platzverhält- nisse hinten wie vorne. Die gab es zwar schon in der Vorgänger-Generation , die Neuauflage legte aber noch einmal um 12 Zentimeter in der Länge zu (jetzt 4,89 Meter).

Das Mark Levinson-Soundsystem

Beim Testwagen handelte es sich um die Ausstattungslinie „President“ – das bedeutet einerseits, dass 87.700 Euro aufgerufen werden und andererseits, dass man ab sofort lieber in seinem Lexus RX 450h leben möchte. Das zentra- le Display wuchs auf 12,3 Zoll an, was bei der Vielzahl der Funktionen nicht der schlechteste Trend ist. Wirklich bemerkenswert ist allerdings die Mark Levinson-Soundanlage. Der Hi-Fi-Spezialist hat ein 15 Boxen umfassendes 7.1-Surround-System für das Fahrzeug entwickelt, dass derzeit keine Konkur- renz, sondern nur Neider kennt.