Frühlingsbräuche

Es tönen die Lieder,

der Frühling kehrt wieder …

Stattlich geschmückte Widder, Lärmbräuche, Buhl- und Fangspiele sowie feine Kulinarik – fröhlich, laut und bunt sind die heimischen Bräuche zu Frühlingsbeginn.

Text: Cornelia Feiertag

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und um das Osterfest spielen Schafe in regionalen Bräuchen eine ganz besondere Rolle. Hintergrund dafür ist die symbolische Ver-

wendung des Tieres in der Bibel – die Herde als Gemeinschaft der Gläu- bigen, der Heiland als Hirte oder Jesus als Opferlamm. Kein Wunder also, dass auch heutzutage noch allerlei Traditionen rund um das Schaf leben- dig sind.


Tierbräuche in der Osterzeit

Das Widderopfer in Ötting nahe Oberdrauburg (Kärnten) lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Sorgfältig gewaschen und aufge- putzt mit Blumen und Schleifen – so wird ein Widder zu Messbeginn am Freitag vor dem Palmsonntag in der Georgskirche von Ötting einmal um den Altar geführt und gesegnet. Anschließend wird das derart fein aus- staffierte Tier zu Gunsten der Pfarrgemeinde versteigert – die Kirchenglo- cken läuten bei jedem 100-Euro-Schritt. Jedes Jahr stellt ein anderer Bau- er aus Ötting oder Umgebung den Widder zur Verfügung. Das besonders stattliche Tier wird danach meist zu Zuchtzwecken eingesetzt.


Eine ganz ähnliche Tradition finden wir auch in Tirol: Beim Osttiroler Widderzug macht sich am ersten Samstag nach Ostern eine Prozession mit einem geschmückten Widder von Virgen auf den Weg zur Wallfahrts- kirche Maria Schnee in Obermauern. Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde das Tier anschließend geschlachtet und sein Fleisch an Bedürftige verteilt. Heutzutage wird der Widder verkauft, der Erlös fließt in den Erhalt der Wallfahrtskirche. Ursprünglich gehen diese beiden Bräuche auf ein Ge- löbnis aus der Zeit der Pestepidemie zurück. Die alljährliche Opferung des Widders sollte dazu dienen, der tödlichen Seuche Einhalt zu gebieten.


Wenn die Milchkannen donnern

Mit einem lautstarken Ostergruß – einem Salut zur Auferstehung Jesu – läutet man in Teilen des Südburgenlands das Osterfest ein. Am Karsams- tag ab der Abenddämmerung wird im Bezirk Jennersdorf stündlich bis zum Sonnenaufgang geböllert. Dazu versammelt sich z. B. in Minihof- Liebau die Dorfjugend auf einem nahen Hügel. Allerdings kommen hier- bei keine konventionellen Raketen oder Kracher zur Anwendung, son- dern ganz spezielle Böller: Milchkannen werden mit Karbidstein und Wasser gefüllt, dann wird der Deckel fest zugedrückt. Die chemische Mi- schung wurde einst für die Karbidlampen in den Bergwerken oder für die Signalgebung bei der Eisenbahn verwendet. Die derart „geladenen“ Milchkannen haben seitlich ein Loch mit einer kurzen Zündschnur. Da- mit kann man die Gasmischung, die bei der chemischen Reaktion im In- neren der Milchkannen entsteht, lautstark zur Explosion bringen. Ge- schlafen wird in dieser Nacht kaum – das Getöse beim Wegsprengen der Deckel ist ohrenbetäubend.


Hasch mich – ich bin der Gones

Kontakte fördern und ausgiebiges Fangenspielen für Erwachsene: Darum gehts beim „Gonesrennen“ im Salzburger Lungau am OstermontagNach- mittag. Unter schwungvoller Begleitung der Blasmusik finden sich dafür die Dorfgemeinschaft und eine wachsende Zahl an Zaungästen auf einer Wiese in Wölting nahe Tamsweg zusammen. „Gones“ ist das Lungauer Dialektwort für „Gänserich“. In diesem Spiel wird damit ein Dorfbewoh- ner bezeichnet, der alleine eine Reihe von etwa 10 Paaren anführt.


Mit seinem Appell „Gones, Gones, Kikeriki – des letzte Paardl her für mi!“ beginnt das lustige Treiben. Das letzte Paar des Zuges versucht dabei, im Laufschritt an die Spitze zu kommen und dort wieder zusammenzu- finden. Der „Gones“ trachtet danach, das zu verhindern. Gelingt es ihm, den Mann zu Fall zu bringen oder die Frau zu fangen, bildet er mit der Frau ein neues Paar. Der Verlierer ist der neue „Gones“ und beginnt den Reigen von Neuem. Spielerisch werden so neue Bande geknüpft und Ne- benbuhler ausgeschaltet. Unter dem Beifall der Zuschauer und bei zünfti- ger Musikbegleitung wird das übermütige Herumbalgen und Haschen zur Gaudi für alle Beteiligten.


Kärntner Kufenstechen

Eine ganz andere Art des Balzens wird zu Pfingsten im Unteren Gailtal in Kärnten praktiziert: das „Kufenstechen“. Im Galopp versuchen besonders ambitionierte Reiter, mit einem Eisenschlögel ein Holzfass zu zertrüm- mern, das auf einem Holzstamm montiert ist. Um die Aufgabe noch zu erschweren, reiten die jungen Männer auf ungesattelten Noriker-Pferden, ganz in der Manier der mittelalterlichen Ritterspiele. Wem es gelingt, das Fass zu zerschlagen, der erhält einen Ehrenkranz. Der Glückliche darf sich beim anschließenden Tanz unter der Linde zu urigen Gstanzln der besonderen Aufmerksamkeit der zahlreich anwesenden jungen Damen gewiss sein.


„Gebildbrot“ als Frühlingsgabe

Der Frühling wird vielerorts in Österreich mit speziellen kulinarischen Bräuchen begangen. Tirol kann mit einer österlichen Köstlichkeit aufwar- ten, dem „Fochaz“ – einem Fladenbrot aus Weizenmehl und vielen Eiern. Dank seines typischen, leicht süßlichen Anisgeschmacks harmoniert der „Fochaz“ besonders gut mit einem saftigen Osterschinken. Auf der Ober- seite des Brotes wird mit einem Kamm oder einer Stricknadel der typi- sche Stern eingestochen. Während in Niederösterreich rund um Ostern „Godnküpfi“ verschenkt werden (siehe Kasten oben), hat sich in Oberös- terreich ein anderer Brauch erhalten. Hier besuchen am ersten Sonntag nach Ostern, dem so genannten „Ahnlsonntag“, die Enkelkinder traditio- nellerweise ihre Großeltern und bekommen von diesen süße, meist aus Germteig gebackene „Ahnlkipferl“ geschenkt. „Gebildbrot“ nennen sich all diese handgeformten symbolischen Backwaren in der Volkskunde. Auch kranzförmig geflochtenes Brot – in der Mitte mit einem roten Ei als Garant für Wohlstand und Erfolg – gehört dazu, ebenso wie die klassische Osterpinze oder der Osterstriezel.

Gewaschen und festlich geschmückt wird ein besonders stattlicher Widder in Ötting (Ktn.) um den Altar geführt.

„Gones, Gones, Kikeriki – des letzte Paardl her für mi!“

Fotos: Picturedesk, Mauritius Images, Mostviertel Tourismus/weinfranz.at

Reitkunst, Mut und Geschicklichkeit sind beim Kärntner Kufen-stechen gefragt.

Jo, jo, jo, der Oaschtertog isch do

der Teit*, der bring in Fochaz,

die Touta* bring a Henn,

Madele, Madele, renn!

Vinschgauer Kinderreim

*der Teit = der Taufpate, die Touta = die Taufpatin

Godnküpfi

In Niederösterreich hat sich ein besonders schmackhafter Brauch rund um Ostern erhalten.

Das Mostviertler „Godnküpfi“ ist ein flaumiges Kipferl, das die „Godn“ (Taufpaten) ihren Tauf- kindern am „Godntag“ schenken.

Mit einer Münze gespickt wird das „Godnküpfi“ zusammen mit einem Osterei überreicht.

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.auer-blaschke.at