Unterwegs in der Region

Frühling, Sonne,

Moped fahrn!

Eine Frühlingsausfahrt mit Kaufmann Herbert Sientschnig und seinem Moped Club durch das Wechselland und die Bucklige Welt.

Text & Fotos: Christine Fehringer

A

m Platz vor dem Nah&Frisch Geschäft im steirischen Schäffern am Wechsel ist heute früh viel los. Es riecht nach Frühling, die Sonne scheint

gleißend hell vom strahlend blauen Himmel. Noch kann man sogar das Zwit- schern der Vögel hören, doch bald schon wird die Luft vom Geknatter der Moto- ren erfüllt sein. Heute unternehmen von hier aus die Mitglieder des SMC, des Schäfferner Moped Clubs, ihre alljährliche erste gemeinsame Ausfahrt. Die Vor- freude darauf liegt förmlich in der Luft, es wird schon heftig gescherzt und ge- lacht, einige sitzen bereits auf ihren Gefährten und können es kaum erwarten, die Motoren zu starten.


Puch-Klassiker und -Raritäten

Es sind die legendären „Postlermopeds“ Puch MV 50, MV 50s und Puch MS, die das Gruppenbild prägen. Eine schöne Puch Monza gibt einen sportlichen Farb- tupfer in Rot ab, die hellblauen Puch DS wirken behäbiger, sind aber auf ihre Weise genauso formschön. Ein älterer Herr mit einer olivfarbenen KTM Pony hat einen Anhänger dabei, in dem sich eine Kiste Bier befindet. Er könne leider nicht mitfahren, zu Hause warte zu viel Arbeit auf ihn, meint er. Auch eine selte- ne italienische APE, ein hellblauer Dreiradler, ist dieses Jahr erstmals dabei. Der großgewachsene Besitzer hat das praktische und gut gepflegte Fahrzeug zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen und freut sich „immer noch narrisch“ darüber, wie er aus der engen Fahrerkabine herausruft.


Aus Freude am Mopedfahren

Der Moped Club um Herbert Sientschnig zählt bereits 63 Mitglieder, 13 davon sind Frauen, die allesamt Puch Maxis fahren. Die Idee zum Club entstand im kleinen Kaffeestüberl, das an das Geschäft anschließt. 4 Jahre davor brachen Herbert, sein Neffe David und sein zukünftiger Schwieger- sohn Roman zum ersten Mal zu einer Rundfahrt auf. Ihre Begeisterung dafür sprang sehr schnell auf die anderen Mopedbesitzer im Ort über und so vergrößerte sich der kurz darauf ausgerufene SMC rasant. Im Vorder- grund steht für die Schäfferner die Leidenschaft für die formschönen al- ten Mopeds und die Freude an den gemeinsamen Ausfahrten samt ge- mütlichem Beisammensein.


Spaß für einen guten Zweck

Herberts Sientschnigs Kunden sind auch seine Freunde, die Grenzen zwi- schen privat und Geschäft sind fließend. Das Geschäft führt er mit seiner Frau Theresia und zwei Angestellten. Er ist ein begeisterter Wanderer, Ski- fahrer, Segler und überhaupt bei vielen sinnvollen Aktivitäten in der Dorfgemeinschaft dabei. „Wenn wir Aktionen planen, schauen wir immer darauf, dass damit ein bisserl Geld für einen guten Zweck zusammen- kommt. Damit unterstützen wir dann soziale Projekte in der Gegend. Darüber reden wir aber nicht viel, wir machens einfach“, meint er.


Ein Bienenschwarm setzt sich in Gang

Doch nun geht es erst einmal los. Herbert gibt das Zeichen zum Start und die Gruppe setzt sich knatternd und surrend wie ein großer Bienen- schwarm in Bewegung. Der Fahrtwind streicht uns angenehm um die Na- sen und schon bald lockert sich der Pulk ein wenig auf. Als es die erste Anhöhe hinaufgeht, zeigt sich, wo der Tiger im Tank sitzt. „Drosseln sind Vögel, die nicht in ein Moped gehören“, ruft einer der eher leichtgewichti- gen Fahrer auf einer Puch MS nach hinten und lacht, bevor er davonzieht. Wir bilden mit Herbert das Schlusslicht, auch der himmelblaue Dreirad- ler bleibt in unserer Nähe, obwohl sein Motor bestimmt mehr als 1 PS zu bieten hat. Unsere Puch-Mopeds mit 2 Pferdestärken sind luftgekühlt und werden ganz schön heiß, als wir uns die Serpentinen durch den Wald Richtung Gschaid hinaufwinden.


Rendezvous mit der Polizei

Es ist heiß, das Wetter weiterhin prächtig und die Maximalgeschwindig- keit überschaubar. Vielleicht ist Herbert deswegen etwas leichtsinnig und zurrt seinen Helm lieber am Gepäckträger als auf seinem Kopf fest. Die uns entgegenkommenden Polizisten haben dafür leider kein Verständnis und winken uns an den Straßenrand. Als bei der Überprüfung der Papie- re dann auch noch festgestellt wird, dass das Moped den Termin für die Pickerl-Überprüfung überschritten hat, dauert die Amtshandlung dann doch etwas länger. „Na ja, freundlich warens, die Polizisten, des scho, aber mit meinem Neffen hab ich noch ein Wörtchen zu reden“, wird er später seinen Kollegen lächelnd erzählen.


Wer den Schaden hat …

Durch den Zwischenstopp haben wir den Anschluss an die Gruppe verlo- ren. Es geht nun rasant abwärts Richtung Hochneukirchen, wo im „Schwarzen Graben“ auf Tom Pinters Bauernhof die anderen warten. Nach einem Kurzbericht über die vorangegangenen Geschehnisse und viel Gelächter – wer den Schaden hat, braucht ganz offensichtlich für den Spott nicht zu sorgen – schwingen wir uns wieder in den Sattel und es geht über Offenegg weiter nach Aschau. Die Aussicht über die hügelige Landschaft ist fantastisch, man möchte gerne öfter stehen bleiben, um zu schauen und zu genießen. Noch ein kleiner Anstieg über die Züggenhöh und der knatternde Tross bremst sich in Hochneukirchen zum deftigen Mittagessen ein.


Gaudi am Bauernhof

Danach setzen wir uns zum letzten Mal für heute auf unsere Mopeds, ein- mal geht es noch hinunter in den „Schwarzen Graben“ zum Bauernhof vom Pinter Tom. Dort sind mittlerweile weitere Gäste eingetroffen. Eine Band spielt lauten Gitarrenrock und es werden verschiedene Bewerbe ver- anstaltet. Auch Herbert kommt beim Seilziehen und anschließenden „Ex- Trinken“ eines Biers nicht aus. Auf einem Bock steht ein Motorrad, mit dessen Hinterrad möglichst viel Gummirauch erzeugt werden soll. Bei Musik, gutem Essen und Lagerfeuer geht ein langer Tag zu Ende. Nach- dem nun der eine oder andere Fahrer schon etwas tiefer ins Glas geblickt hat, bleiben die Mopeds für heute am Hof stehen und Herbert hat auch für eine Heimfahrgelegenheit gesorgt. Gut so!

Über die Hügel und saftigen Wiesen der Buckligen Welt geht es langsam bergauf – und rasant bergab, wie hier in den „Schwarzen Graben“ zur ersten Rast.

„Drosseln sind Vögel,

die nicht in ein Moped

gehören!“

Kaufmann Herbert Sientschnig genießt den Frühlingstag in Gesellschaft seiner Moped-Freunde.

Puch-Oldtimer in Reih und Glied: der hellblaue Klassiker DS 50 mit Schürze, die sportliche M 50 Jet und das „Postler-Moped“ MV 50 in zahlreichen Varianten.

Der rasende Kaufmann Herbert Sientschnig in Aktion.

Das gepflegte Hinterteil einer DS 50.

Du bist seit zwölf Jahren Kaufmann in Schäffern. Wie kams dazu?

Herbert Sientschnig: Ich bin gelernter Koch und habe meine Frau Theresia auf Saison in Tirol kennengelernt. Nachdem ich ein paar Jahre als gastronomischer Leiter auf Schloss Krumbach tätig war, habe ich bei Kastner als C&C Marktleiter gearbeitet. Beides waren Jobs mit großer Verantwortung. Irgendwann haben wir dann gehört, dass das Geschäft im Heimatort von Theresia zu haben war. Wir ha- ben uns ganz spontan dafür beworben. Ich habe das noch keine Mi- nute bereut und lebe wirklich sehr gerne in Schäffern.

Was bietest du deinen Kunden?

Herbert Sientschnig: Auf jeden Fall legen wir Wert auf Freundlich- keit und ein wertschätzendes Miteinander. Die Kunden erwarten in- dividuelle Beratung bei uns. Ich will einfach natürlich bleiben, dann kommen die Leute von selbst und fühlen sich wohl.

Was magst du an deinem Beruf?

Herbert Sientschnig: Vieles, aber besonders schön finde ich, die Kin- der aufwachsen zu sehen. Erst kommen sie mit dem Kindergartenta- scherl, dann mit dem Schulranzen und plötzlich stehen junge Er- wachsene vor dir. Da merkt man dann, wie die Zeit vergeht.

Wie wichtig sind dir lokale Produkte?

Herbert Sientschnig: Sehr wichtig. Wir haben jeden Freitag ofenfri- sches Bauernbrot, verkaufen Eier, Honig, Erdäpfel, Sauerkraut etc. und Wurstwaren aus der Umgebung. Und der Biobauernhof Beigl- böck aus unserem Nachbarort Zöbern beliefert uns mit zahlreichen Bioprodukten, die auch sehr gut ankommen.

Nah&Frisch Sientschnig

„Mein Hobby ist

mein Beruf.“

Nah&Frisch Sientschnig

Hauptstraße 5, 8244 Schäffern, Stmk.

http://www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/sientschnig

Land der 1.000 Hügel: Blick von der Hochneukirchenstraße hinunter in die Bucklige Welt.

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.ottakringerbrauerei.at